Wespen und Regen (Interessante Fakten)


Wespen sind die unbeliebtesten Insekten wenn es um Aktivitäten im Freien geht. Ihre Anwesenheit verursacht häufig Unbehagen und die (latente) Befürchtung gestochen zu werden.

Ein Aufeinandertreffen findet meistens bei Sonnenschein statt, da der Mensch nur selten bei Unwetter ein Picknick veranstaltet. Doch wie sieht es eigentlich aus, wenn es regnet? Können Wespen dann überhaupt fliegen und wie verhalten sie sich bei Niederschlag?

Können Wespen bei Regen fliegen?

Ja, Wespen können bei Regen fliegen. Ihre kleinen Ausmaße ermöglichen es ihnen längere Zeit nicht von Regentropfen getroffen zu werden. Außerdem durchnässt ein treffender Regentropfen die Wespe auf Grund seiner Oberflächenspannung nicht wodurch sie weiter flugfähig beibt. Ein Tropfen bringt Wespen (auf Grund der vergleichsweise hohen Masse) jedoch kurz zum Taumeln bis ein Weiterflug möglich ist.

Der Effekt von Regen auf die Flugfähigkeit von Wespen umfasst mehrere Aspekte. So können die herabfallenden Tropfen eine massive Einschränkung für die Aktivität sein, aber auch die begleitenden Umstände des Regens (wie absinkende Luftmassen, Verdunstungskälte etc.) einen Einfluss haben.

Regentropfen sind zwischen 0,2 und 0,5 mm groß und können bei Unwetter und Starkregen bis zu 0,9 mm erreichen. Er wird dabei bis zu 20 km/h schnell. Wespen erreichen zwischen 15 und 20 mm und damit ist die relative Größe von Regentropfen natürlich immens. Ein Auftreffen müsste also einen großen Effekt erzeugen.

Und dies ist auch tatsächlich so, denn eine Wespe die von einem Regentropfen getroffen wird kommt sehr stark ins Taumeln und Trudeln. Die übertragene Energie entspricht dem freien (unkontrollierten) Fall eines Menschen in ein Wasserbecken aus immerhin 1,5 Metern.

Dennoch sind Wespen in der Lage ihren Flug weiter fortzusetzen.

Dies liegt unter anderem an ihrem stabilen Körperbau, der verhindert, dass ernsthafte Schäden auftreten. So werden Wespen auch nicht von einem Regentropfen K.O. geschlagen.

Zwar können Wespen durch einen Schlag vorübergehend flugunfähig sein, ein Tropfen Wasser reicht hierfür jedoch nicht aus.

(Ein schwungvoller Treffer mit einer Tageszeitung kann dies schaffen, ist jedoch als effektive Wespenbekämpfung nicht empfehlenswert.)

Ein weiterer nützlicher Faktor ist die kurze Einwirkzeit. Auch wenn vergleichsweise viel Energie übertragen wird ist die Dauer der Krafteinwirkung nur der Bruchteil einer Sekunde. Dies sorgt für eine kurze kräftige Auslenkung aus der Flugbahn und den nur kurzfristigen Verlust der Kontrolle.

Das ist in etwas so als würde dir das Wasser aus einer Badewanne mit einem Mal von vorne entgegen geschüttet werden (das eventuelle Hinfallen wäre die Auslenkung, de facto könntest du aber sofort wieder aufstehen).

Die Größenverhältnisse spielen eine weitere Rolle, wenn es um die Oberflächenspannung des Wassers geht. Dieser Zusammenhalt des Wassers sorgt unter Anderem dafür, dass sich kleine Lebewesen auf der Oberfläche aufhalten können ohne unterzugehen.

Bei den Wespen geschieht etwas Vergleichbares, wenn sie ein Regentropfen trifft. Die geringe Größe und die Oberflächenbeschaffenheit der Wespe sorgen dafür, dass sie kein Wasser „aufsaugen“. Die Wassermoleküle bleiben eher zusammen (und damit eher fern der Wespe), als das sie sich aufteilen und das Insekt einhüllen.

Natürlich gehen einzelne Moleküle durch den Aufschlag und die Zerschlagung auf die Wespe über, aber der Großteil des Tropfens fällt weiter Richtung Boden.

Eine Wespe wird also von einem Wassertropfen nicht durchnässt und flugunfähig gemacht.

Ob eine Wespe überhaupt vom Regen getroffen wird stellt sich auch anders dar als bei uns Menschen. Während wir Niederschlag als einheitliche Masse Wasser wahrnehmen, sieht dies für Wespen anders aus. Regen besteht aus vielen einzelnen Wassertropfen zwischen denen deutlich mehr Platz ist als nicht. Die Zwischenräume sind größer, als die Summe der Tropfen.

Eine Wespe befindet sich somit schon rein mathematisch den Großteil der Zeit in diesen Korridoren und kriegt kein Wasser ab. Dies ist natürlich nicht auf Dauer so, aber ein Treffer ist dennoch viel seltener der Fall als man denken könnte.

Inwiefern weitere aerodynamische Effekte (wie das Wegdrücken der Wespe durch die bewegte Luft um den Tropfen herum) einen Fug im Regen ermöglichen ist dabei jedoch nicht geklärt.

Denkbar ist auch, dass die agilen Wespen teilweise in der Lage sind den Tropfen auszuweichen und somit die Wahrscheinlichkeit eines Treffers weiter senken.

In der Summe wird eine Mischung aller Faktoren die Realität am besten widerspiegeln und erklären, was wir häufig sehen:

Wespen können bei Regen fliegen!

Doch nur weil sie es können, heißt es noch nicht, dass sie machen oder es gut für sie ist.

Sind Wespen bei Regen aktiv?

Ihre Aktivität hängt von vielen Einflüssen (wie der Spezies, der Nestgröße, der Jahreszeit, der Temperatur etc.) ab und variiert mitunter stark. Die (wenn auch leicht eingeschränkte) Flugfähigkeit bei Regen bedeutet also nicht, dass Wespen auch aktiv sein müssen. Es gilt vielmehr:

Wespen sind bei Regen grundsätzlich deutlich weniger aktiv und meiden es bei Niederschlag zu fliegen und auf Nahrungssuche zu gehen. Dieses Verhalten ist fest eingespeichert und wird nur durch außergewöhnliche Zustände (lang anhaltender Regen und Nahrungsmangel) durchbrochen.

Die Gründe für dieses Verhalten sind vielfältig und nicht absolut geklärt. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass es ein evolutionärer Vorteil ist, der sich über viele tausend Jahre entwickelt hat.

Regen bedeutet für die einzelne Wespe nur eine geringe Gefahr. Schließlich ist sie weiter flugfähig und ihr Fortbestehen nicht unmittelbar betroffen. Natürlich gibt es aber weitere Einschränkungen die der Regen mit sich mitbringt.

So reduziert sich das Nahrungsangebot deutlich, da die Beuteinsekten bei Niederschlag weniger aktiv sind. Mücken und Fliegen ziehen sich in geschützte Bereiche zurück und sind so schwer zu finden.

Ebenfalls eingeschränkt ist die Verfügbarkeit von Honigtau, der süßen und für Wespen wichtigen Ausscheidung der Blattläuse. Diese klebrige Lieblingsspeise liegt auf den Blättern und wird durch den Regen aufgeweicht und schließlich sogar weggespült.

Aber nicht nur die Nahrung reduziert sich und hat so einen Einfluss. Auch die Umweltbedingungen wechseln bei Regen häufig. So entsteht meist ein gewisser Temperaturabfall durch die Kondensation der Tropfen. Besonders stark ist die Abkühlung sogar, wenn eine Kaltfront den Regen verursacht hat und nun eine kühlere Luftmasse vorliegt.

Kältere Bedingungen sorgen bei den wechselwarmen Räubern für eine Absenkung der Körpertemperatur (Wespen: Thermoregulation) und initiale Verlangsamung des Stoffwechsels (siehe RGT Regel auf wikipedia). Ihre allgemeine Aktivität verringert sich.

Dieser Faktor dürfte jedoch nicht die größte Rolle spielen, da der Temperaturabfall in der aktiven warmen Jahreszeit selten über 2°C liegt. Nur ausgeprägte Kaltfronten mit einem Abfall bis zu 10°C zeigen hier eine starke Wirkung.

Diesen Eindruck bestätigen zahlreiche Beobachtungen, die zeigen, dass Wespen unmittelbar nach einem Schauer ihre Aktivität wieder aufnehmen.

Viel entscheidender für die geringeren Flugbewegungen ist die Bedeutung des Regens für das ganze Volk.

Wespen leben (grundsätzlich) in einem Staat zusammen. Diese Einheit betrachten wir, wenn es darum geht, ob ein bestimmtes Verhalten sinnvoll ist oder nicht. In diesem Kontext agieren auch die einzelnen Nester und treffen so ihre Entscheidungen. Für die einzelne Wespe kann dies mitunter den Tod bedeuten, wenn dafür das Volk überlebt.

Regen stellt eine substanzielle Gefahr für ein Wespennest dar. Je nach Dauer und Intensität der Niederschläge kann es sein, das ein struktureller Schaden entsteht.

Auch wenn dies bei normalen Mengen nicht der Fall ist (siehe unten Kann ein Wespennest durch Regen zerstört werden), gilt es den maximalen Schutz für das Nest zu gewährleisten.

Dabei kann es erforderlich werden, das innerhalb des Nests Umstrukturierungen und neue Verteilungen des Nachwuchses stattfinden müssen. Im Extremfall kann bei Überschwemmungen sogar ein „Auszug“ erforderlich werden (was bei unseren heimischen Arten jedoch nicht praktiziert wird).

Wichtig für den Fortbestand ist außerdem, dass ein stabiles Klima innerhalb des Nests gehalten wird. Dies sorgt für optimale Bedingungen bei der Entwicklung des Nachwuchses.

Die abfallenden Temperaturen bei Regen können dies negativ beeinträchtigen, weshalb es erforderlich ist, dass das Volk beisammen ist und der Abkühlung entgegenwirkt. (Wespen und Hitzetod: Überraschende Fakten).

All diese Gründe sorgen dafür, dass Wespen den natürlichen Instinkt haben bei Regen nicht zu fliegen.

Es gibt jedoch auch Ausnahmen, die von besonderen Bedingungen ausgelöst werden. Anders als Ameisen besitzen Wespen zum Beispiel keine Vorratskammer, um Nahrung zu lagern und bei einem Mangel zu nutzen.

Eine längere Phase ohne neue Versorgung wird somit schnell gefährlich für den gesamten Staat. Sollte es also über mehrere Tage hinweg sehr ausdauernd regnen wird der Überlebensdruck größer und zwingt die Wespen auszufliegen.

Wo sind Wespen bei Regen?

Wespen suchen bei Regen geschützte Bereiche auf und fliegen vornehmlich zurück zu ihrem Nest. Dort versorgen sie den Nachwuchs, halten das Nestklima stabil und „ruhen sich aus“.

(Mehr dazu hier: Schlafen Wespen?)

Die Versorgung des Nachwuchses findet durch die Arbeiterinnen statt und geschieht pausenlos. Es müssen Waben gebaut, erweitert und repariert werden. Auch die Larven und Puppen erfordern viel Pflege und Nahrung und auch die Wespenkönigin (Alles zum Staatsoberhaupt) muss stets versorgt werden.

Werden die Arbeiterinnen im Nest durch weitere (dazukommende) Wespen unterstützt können die Aufgaben effektiver geschehen und es werden weitere Ressourcen frei.

Diese werden unter anderem genutzt, um das Klima im Nest stabil zu halten. Desto mehr Wespen sich im Bau befinden, desto stärker ist ihre Wärmeentwicklung. Eine höhere Temperatur ist bis zu einem bestimmten Grad für die Entwicklung förderlich (Welche Körpertemperatur haben Wespen?) und wirkt der äußeren Abkühlung entgegen.

Neben diesen Funktionen für den Staat ist auch das individuelle Überleben einer Wespe im Nest wahrscheinlicher und ein wichtiger Grund für ihre Rückkehr bei Regen. Hier sind die Insekten am besten vor Fraßfeinden geschützt und brauchen nicht (so stark) auf der Hut zu sein.

Können Wespen ertrinken?

Ja, Wespen können ertrinken, da sie wie jedes Tier auf Sauerstoff angewiesen sind. Geraten sie unter die Wasseroberfläche ist der Gasaustausch nicht mehr möglich und nach Verbrauch des restlichen Sauerstoffs im Körper sterben sie.

Dabei atmen Wespen natürlich anders als Menschen und besitzen keine Lungen. Über kleine Öffnungen in der Außenhaut (so genannte Stigmen) gelangt die Luft ohne aktives Zutun über Kanäle (Tracheen) direkt an die Organe und das Gewebe.

Gerät eine Wespe unter Wasser kann sie diese Stigmen schließen, was ein Eindringen des Wassers verhindert. Dabei besitzen die Öffnungen jedoch keinen kräftigen Muskel, sondern die Öffnung wird lediglich minimiert. Mit Unterstützung der Oberflächenspannung des Wassers können so keine Flüssigkeitsmoleküle in die Tracheen gelangen.

Diese Fähigkeit kann auch bei Regen eingesetzt werden, ist jedoch meist nicht notwendig, da die Exposition zum kühlen Nass zeitlich und örtlich begrenzt ist.

Wespen, die sich in einem Glas befinden sterben übrigens nicht wirklich durch ertrinken, sondern viel mehr durch Erschöpfung. Im Überlebenskampf paddeln sie so lange in der Flüssigkeit herum, bis ihnen die Kraft ausgeht und sie erschöpft aufgeben.

Kann ein Wespennest durch Regen zerstört werden?

Wespennester nehmen normalerweise durch Regen keinen Schaden. Das Nest ist so aufgebaut, dass das Wasser vom Innern ferngehalten wird und an der Außenhaut herabläuft. Das Baumaterial ist dünn und leicht (weshalb es als Papiernest bezeichnet wird), saugt jedoch keine Feuchtigkeit auf, sondern hält sie ab.

Schon bei der Platzwahl im Frühjahr achtet die Wespenkönigin (Alles Infos zur Chefin) sehr genau darauf, ob eine erhöhte Regengefahr besteht. Es werden bevorzugt geschützte Bereiche (Unterstände, Dachvorsprünge, Aushöhlungen, Erdlöcher etc.) zum Nestbau gewählt.

Der Aufbau des Nests unterstützt den Regenschutz weiter. Bereits ab den ersten einzelnen Waben ist ein kleines „Dach“ vorhanden, was das Wasser von oben abhalten soll. Mit Anwachsen weiterer Ebenen und Verbreiterung des Baus wird dieser Schutz immer größer und schließlich zu einem Mantel.

Findet das Wespennest seine finale Größe werden die unteren Etagen wieder kleiner und der Mantel legt sich um den kompletten Bau. Dies sorgt für den maximalen Schutz vor Regen.

Gut geschützt vor Regen

Hinzu kommt, dass es nur eine Öffnung für den Ein- und Ausflug gibt, die sich außerdem an der Unterseite befindet. So kann kein Wasser von Außen eindringen.

Auch wenn solche Strukturen Papiernester genannt werden haben sie nicht die gleichen empfindlichen Eigenschaften. Zwar sind sie leicht, bestehen aber doch aus feinen Holzfasern (mit Speichel vermischt). Dadurch ist die Außenhaut wasserabweisend und besitzt eine große Widerstandskraft gegen Niederschlag.

Dieser Aufbau und diese Struktur liegt auch bei Erdnestern vor, die gerne in verlassene Maulwurflöcher und Wühlmausöffnungen gebaut werden. In Deutschland ist dies sogar die häufigste Form von Wespennestern für die zwei Arten, die Kontakt zum Menschen haben (Gemeine Wespe, Deutsche Wespe).

Eine Durchnässung des Bodens hat kaum einen Einfluss auf den Bau. Die Feuchtigkeit wird durch die Außenhaut abgehalten sickert in das Erdreich. Selbst eine kurzzeitige Überschwemmung kann das Nest aushalten, da die im Nest befindliche Luft und die tiefe Öffnung verhindern, dass das Wasser eindringen kann (ähnlich wie ein umgedrehtes luftgefülltes Wasserglas, das untergetaucht wird).

Sollte eine solche Überschwemmung über längere Zeit bestehen, ist es möglich, dass die Zuwege versperrt sind. Finden die Wespen nicht zügig eine andere Möglichkeit ist der Staat gefährdet (zu verhungern).

Besonders gefährdet für solche Extremwetterlagen sind „unfertige“ Nester im Frühjahr, deren Mantel noch nicht komplett geschlossen ist. Hier besitzt das Wasser mehr Angriffspunkte und kann den jungen Staat gefährden.

Wie kann Regen bei der Wespenabwehr helfen?

Regen hat einen eingeschränkten Effekt auf Wespennester und ist nach Schließung des Mantels nur noch eine geringe Gefahr für den Bau. Selbst Überschwemmungen können Erdnestern dann nur wenig antun, weshalb nur Starkregen im Frühjahr die Entwicklung von Wespen beeinträchtigt.

Der Einsatz von Wasser zur Wespenabwehr ist jedoch nicht vollends sinnlos. So können die Wespen durch den Gebrauch einer Sprühflasche mit Wasser effektiv vom Essenstisch ferngehalten werden. Ein paar Sprühstöße genügen, um Regen zu simulieren und die betroffene Wespe Richtung Nest zu schicken.

Dies ist auch die einzige Methode die wirklich effektiv ist, auch wenn die Wirkdauer natürlich eingeschränkt ist. Wespennester lass sich so nicht bekämpfen. (Hausmittel gegen Wespen – 7 Mythen und 7 Wahrheiten)

Insbesondere bei Erdnestern liegt die Überlegung nahe mit einer Flutung den Staat zu eliminieren. Dies ist nicht nur nicht erlaubt, sondern auch nicht effektiv.

Das Wasser nimmt im Erdreich seinen eigenen Verlauf und versickert zügig. Es verteilt sich in einen sehr großen Bereich und „stehendes Wasser“ bis der Oberfläche ist nur schwer zu produzieren.

Das Nest liegt auch häufig nicht direkt hinter dem Eingang und es gibt mehrere Zuwege durch das vorher schon bestehende Tunnelsystem. Dies stellt eine natürliche Drainage dar, die den Wassereinsatz zusätzlich erschwert.

Martin

Martin ist Gründer und Autor bei ungeziefer-pilot und besitzt einen weiten Erfahrungsschatz, den er gerne teilt. Der richtige Umgang und der Einsatz wirklich effektiver Mittel liegen ihm besonders am Herzen.

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